Jetzt und hier

Sie steht in der Tür,
die Koffer sind gepackt.
Die Blumen sind gegossen,
sie wird gehen.
Ein letzter Blick im Spiegel,
die Jacke zugeknöpft.
Ein Schluck Kaffee bleibt
auf der Kommode stehen.

Kalter Wind weht ihr entgegen.
Die Fassade bröckelt von der Wand.
Hinter ihr liegt ihr ganzes Leben.
Und sie nimmt die Beine in die Hand.

Wir leben jetzt und hier.        
Die Welt ist uns genug.
Wir leben jetzt und hier.
Denn jetzt sind wir am Zug.

Ein neuer Morgen graut
und sie steht an der Reling.
Am Horizont erscheint
ein fernes Land.
Und Sie geht von Bord
und lernt neue Sprachen.
Keine Menschenseele,
die sie je gekannt.

Warmer Wind weht ihr entgegen.
Und sie schaut sich
ein letztes Mal um.
Vor ihr liegt ihr ganzes Leben.
Und sie weiß jetzt wieder warum.

Wir leben jetzt und hier.        
Die Welt ist uns genug.
Wir leben jetzt und hier.
Denn jetzt sind wir am Zug.

Die Jahre sind vergangen
und sie steht vor der Haustür.
Die Fassade
ist inzwischen neu gemacht.
Der Kaffee im Flur
steht noch immer da.
Sie schaut in den Spiegel und lacht.

Wir leben jetzt.
Keiner kann uns irgendwas.
Die Welt ist uns genug,
Wir leben jetzt.
Nicht morgen und nicht irgendwann.
Denn jetzt sind wir am Zug.
Wir leben jetzt.

Text: Johannes Scheurich
Musik: Johannes Scheurich, Florian Becker
Album: Jetzt und hier