Der Beinahe-Jackpot

Ich sah dich an
und ich wusste gleich,
dass das zwischen uns
für so viel mehr
als nur den Smalltalk reicht.
Doch was dann kam,
hat mich ziemlich empört.
Ich hätte es am liebsten überhört.

Es waren nicht die Zähne,
auch dein Atem war okay,
du warst ziemlich gut frisiert.
Die Nägel nicht zu lang,
sogar dein Kleid war wunderschön,
trotzdem war ich sehr pikiert.

Du wählst die AfD.
Und ich denk’ mir: „Nee!“
Du wählst die AfD. Oje!

Die Stimmung war nicht zu reparieren.
Warum musste sowas
immer mir passieren?
Du warst traurig
und sichtlich schockiert,
dass aus uns heute
leider nichts wird.
Wir versuchten es trotzdem,
tauschten Standpunkte aus,
doch es sollte einfach nicht sein.
Nach zwanzig Gin Tonic
brachte ich dich nach Haus.
Ach, das Leben ist schon gemein.

Du wählst die AfD.
Und ich denk’ mir: „Nee!“
Menschen wie du sind der Grund,
warum ich auf die Straße geh’.
Kein Problem,
hab’ gerade nichts Besseres vor.
Wegen dir hab’ ich den Glauben an
das Gute im Menschen verloren.

Am nächsten Tag schreibst
du mir ’ne WhatsApp.
Hättest ’nen Kater
und lägst noch im Bett.
Du müsstest reden
mit mir und sofort.
Es sei wichtig,
ich nahm dich beim Wort

Was ich gestern gesagt hab’,
hätte dich sehr berührt
und beschäftigt letzte Nacht.
Du seist jetzt wer anders
und unser Gespräch
hätte dir echt was gebracht,
denn Du wählst jetzt

CDU, SPD, FDP, Die Partei,
ARD, ZDF, MTV, AMC
PKW, BMW, GTI, ESP
BND, NSA, CIA, FBI,
JPG, MP3, PDF, PNG,
DVD, CPU, HDD, SSD
ASB, DRK, AOK, BKK

Text: Johannes Scheurich
Musik: Johannes Scheurich, Florian Becker
Album: Jetzt und hier